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Bonitätsmanagement


Die Eigenkapitalquote verbessern ohne Einlagen zu leisten

Rating ist die Voraussetzung für jede Kreditgewährung. Das ist in Basel II und den Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute (MaRisk) vorge-schrieben. Rating besteht aus zwei Bestandteilen, der Bewertung der quantitativen Erfolgsfaktoren (Bilanzrating) und der Bewertung der qualitativen Erfolgsfaktoren (Managementqualität etc.) Beim Bilanzrating spielt die Eigenkapitalquote eine be-sonders wichtige Rolle. Es ist gerade das Eigenkapital, das für die Banken insgesamt bedeutsamer geworden ist. Ein gutes Rating öffnet die Tür zur Kreditgewährung. Aufgrund der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung ist davon auszugehen, dass die Ratingeinstufungen eher rückläufig sind und auch für 2010 noch werden. Im besten Fall bedeutet ein schlechteres Rating für den Kreditnehmer ungünstigere Konditionen und im schlechtesten Fall die Kreditverweigerung. Es ist also wichtig, Alles dafür zu tun, die Ratingnote im günstigen Bereich zu halten bzw. sie dorthin zu bringen.

Die Banken ermitteln beim Rating Kennzahlen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Bewertung einfließen. Im Regelfall bilden die quantitativen (harten) Faktoren den Schwerpunkt beim Rating. Greifen wir einmal die Eigenkapitalquote heraus. Sie ist nicht allein entscheidend, hat aber besondere Bedeutung.

Die Eigenkapitalquote -die wichtigste Rating-Kennzahl

Bewertung der Eigenkapitalquote

sehr guter/guter Wert > 25 %
mittlerer Wert 10 bis 25 %
ungünstiger Wert < 10 %


Berechnungsformel
Eigenkapitalquote wirtschaftliches Eigenkapital x100 : Bilanzsumme

Berechnungsbeispiel:
Wirtschaftliches Eigenkapital 300.000 €
Bilanzsumme 2.500.000 €

300.000 x 100 : 2.500.000 = 12,0 % Eigenkapitalquote


Bei der Eigenkapitalquote handelt es sich um eine zentrale Kennzahl. Sie zeigt den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital.

Die Berechnung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Position
Betrag in €
Stammkapital

+ Kapitalrücklage/Gewinnrücklage

+/- Gewinnvortrag/Verlustvortrag
+/- Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
+ Sonderposten mit Rücklageanteil (60 bis 70 Prozent)
+ Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt
- ausstehende Einlagen
- Forderungen gegen Gesellschafter
- immaterielle Vermögenswerte

= wirtschaftliches Eigenkapital


So erhöhen Sie Ihr wirtschaftliches Eigenkapital

Da ein „zu geringes Eigenkapital“ mittlerweile einer der Hauptablehnungsgründe von Kreditanträgen ist, kommt ihr besondere Aufmerksamkeit zu. Wir haben zwischen dem bilanziellen Eigenkapital und dem wirtschaftlichen Eigenkapital zu unterscheiden. Entscheidend ist immer das wirtschaftliche und nicht das bilanzielle Eigenkapital.

» Maßnahmen die zur Erhöhung der Eigenkapitalquote beitragen können: Gewinne im Unternehmen stehen lassen (thesaurieren)

» Ertragskraft stärken

» Entnahmen bzw. Ausschüttungen reduzieren

» (Privat)Einlagen einbringen

» Teilhaber aufnehmen

» Mitarbeiter beteiligen

» Beteiligungskapital aufnehmen

» Mezzaninekapital aufnehmen

» Leasing/Sale-and-lease-back von Anlagevermögen (an Leasing-Gesellschaft verkaufen und zurückmieten)

» Leasing von Material-/Warenbeständen

» Factoring

Investitionen können Sie beispielsweise anstelle eines Bankdarlehens mit Beteiligungskapital oder Mezzaninekapital finanzieren.

Leasing einsetzen

Die Anschaffung einer Immobilie oder auch von Mobilien können Sie via Leasing finanzieren. Dadurch erscheinen diese Vermögenswerte nicht in Ihrer Bilanz.

Eine Möglichkeit ist das Leasing von Warenbestand (im Kfz-Gewerbe bspw. von Vorführwagen). Wenn Sie Teile Ihres Warenbestands leasen anstatt zu finanzieren, reduzieren Sie Ihre Bilanzsumme und verbessern dadurch indirekt neben der Eigenkapitalquote auch noch andere Kennzahlen.

Eine bereits bankfinanzierte Immobilie lässt sich unter Umständen im Rahmen einer Sale-and-lease-back-Aktion an eine Leasinggesellschaft verkaufen und wieder zurück mieten. Auf diesem Wege verkürzen Sie die Bilanzsumme Ihres Unternehmens um den Immobilienwert und erhöhen dadurch ebenfalls indirekt Ihre Eigenkapitalquote.

Gleiches gilt, wenn Sie Kundenforderungen durch ein strafferes Debitorenmanagement abbauen oder Waren/Materialbestände verringern (Verkürzung der Lagerdauer). Ihren Forderungsbestand können Sie nicht nur durch organisatorische Maßnahmen, sondern auch durch den Verkauf von Forderungen an einen Factor abbauen. Factoring bedeutet den Verkauf von Kundenforderungen, die dann bei der Factoringgesellschaft und nicht mehr bei Ihnen bilanziert werden. Erkundigen Sie sich, ob sich Ihre Forderungen für Factoring eignen..

Beispiel: Auswirkung von Verbesserungsmaßnahmen auf die Eigenkapitalquote anhand eines vereinfachtes Bilanzschemas.

Bilanzbild ohne Verbesserungsmaßnahmen

Aktiva
Betrag
Passiva
Betrag
Anlagevermögen 1.500.000 € Eigenkapital 800.000 €
Materialbestand 3.000.000 € Rückstellungen 100.000 €
Kundenforderungen 750.000 € Langfristiges Fremdkapital 1.300.000 €
Sonstiges 250.000 € Kurzfristiges Fremdkapital 3.300.000 €
Summe Aktiva 5.500.000 € Summe Passiva 5.500.000€

Eigenkapitalquote 14,5 % (800.000 x 100 : 5.500.000 = 14,5 %)

Durch folgende Maßnahmen verändert sich das Bilanzbild: 1.000.000 € Abbau von Anlagevermögen durch Sale-and-lease-back, Abbau von 1.000.000 € Beständen durch Verkürzung der Lagerdauer, Abbau von 300.000 € Kundenforderungen durch strafferes Debitorenmanagement.

Bilanzbild nach durchgeführten Maßnahmen

Aktiva
Betrag
Passiva
Betrag
Anlagevermögen 500.000 € Eigenkapital 800.000 €
Materialbestand 2.000.000 € Rückstellungen 100.000 €
Kundenforderungen 450.000 € Langfristiges Fremdkapital 1.300.000 €
Sonstiges 250.000 € Kurzfristiges Fremdkapital 1.000.000 €
Summe Aktiva 3.200.000 € Summe Passiva 3.200.000 €

Eigenkapitalquote 25,0 %

Fazit: Jede Verkürzung der Bilanzsumme führt indirekt zu einer höheren Eigenkapitalquote und damit zu einer besseren Ratingeinstufung. Auf diesem Weg lässt sich die Eigenkapitalquote auch ohne Einlagen vorzunehmen, verbessern.

Bonitätsmanagement am Beispiel eines Autohauses

Bonität ist nicht zuletzt auch eine Frage der Information. Ihre Bank kann die Bonität Ihres Autohauses besser beurteilen und damit auch eine zutreffende Ratingnote erteilen, wenn sie über Ihr Unternehmen ausreichend informiert ist. Überprüfen Sie deshalb Ihre bisherige Informationspolitik und scheuen Sie sich nicht radikal umzusteuern, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Es genügt nicht, wenn Sie der Bank kommentarlos die Bilanz zur Verfügung stellen. Bedenken Sie: Die Bank verfügt nicht über das Insiderwissen, das notwendig ist um alle Bilanzpositionen folgerichtig zu beurteilen. In diesem Fall sind Sie gefragt, geben Sie Ihrer Bank – im eigenen Interesse – weitergehende Informationen. Ergreifen Sie dazu selbst die Initiative und bieten Sie Zusatzinformationen an. Die Praxis zeigt immer wieder, dass Unternehmen, die gegenüber Ihrer Bank eine offensive Informationspolitik betreiben, besser mit ihr zusammenarbeiten als Unternehmen die Informationen zurück halten.

Die folgenden Fragen und Antworten zeigen beispielhaft, wie unterschiedlich sich Kreditnehmer gegenüber ihren Banken verhalten. Unternehmer A verhält sich richtig. Unternehmer B verhindert, dass sich die Bank ein zutreffendes Bild von seinem Unternehmen machen kann. Das Ergebnis: Die Bank ist bei Krediten vorsichtig und zurückhaltend.

Fragen Antwort:
Unternehmer A
Antwort
Unternehmer B
Wann erhält die Bank die jeweils neueste Jahresbilanz? Spätestens bis Ende März des kommenden Jahres. Meist wird meine Bilanz erst zum Oktober/November des Folgejahres fertiggestellt. Manchmal auch erst im Jahr darauf.

Wann haben Sie
das letzte Bankgespräch
auf Geschäfts-leitungsebene
geführt?

Wir treffen uns meist vierteljährlich zu einem ausführlichen Gedankenaustausch. Ich habe das letzte mal mit dem Filialleiter meiner Bank bei meinem Kreditantrag vor zwei Jahren gesprochen.
Kennt die Bank
Ihr Unternehmen aus eigener
Anschauung?

Ja, wir führen wenigstens jährlich ein Gespräch bei uns in der Firma. Nein, wenn ich etwas mit der Bank zu besprechen habe, gehe ich zu ihr hin. Meinen Betrieb haben die noch nie gesehen.
Führen Sie mit der Geschäftsleitung Ihrer Bank jährlich ein ausführliches Bilanzgepräch?

Selbstverständlich. Wir setzen uns jedes Jahr zusammen und besprechen das Ergebnis der Bilanzanalyse, die von der Bank durchgeführt wurde. Im letzten Jahr haben wir erstmals auch über das von der Bank erstellte Rating gesprochen.

Die Bank erhält von mir die Bilanz. Das genügt. Ein Gespräch darüber halte ich für unnötig
Ist die Bank
über Ihre
Leistungspalette
und Ihre Geschäftsaussichten informiert?
Im Rahmen unserer Gespräche informiere
ich die Bank ständig
über neue Entwicklungen
in unserem Unternehmen,
außerdem besprechen
wir unsere
Unternehmensplanung.

Die Bank soll mir Kredite zur Verfügung stellen und meinen Zahlungsverkehr abwickeln. Ich wüßte nicht, weshalb ich sie auch noch über den Leistungsstandard meines Betriebes informieren sollte.

Bonität darf für Ihr Autohaus nicht zu einem Zufallsprodukt werden, da Sie ansonsten Gefahr laufen, dass die von der Bank festgestellte Ratingnote nur „zufällig“ den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht und sich die Bank auch nur „zufällig“ das richtige Bild von Ihrem Unternehmen und damit von Ihrer Bonität macht.

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