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Juli 2011

FINANZINFORMATION - Banking 2020 - der Weg führt über Basel III

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Lassen Sie mich einen Ausblick auf das Bankgeschäft des Jahres 2020 wagen. Das Zusammenspiel zwischen Banken und Kreditnehmern wird durch Basel III nochmals spürbar verändert. Spätestens nach Ablauf der Übergangsfrist 2019 gelten alle neuen Spielregeln. Nur wer diese beherrscht, kann noch mitspielen, wer nicht, wird ausscheiden. Genau so brutal wird es werden.

Banken müssen, so will es Basel III, ihr Eigenkapital aufstocken, teilweise um das Dreifache. In der Konsequenz wird Basel III dazu führen, dass deutsche Banken ihr Eigenkapital um 50 Mrd. € aufstocken müssen. Aufgrund dessen werden sie die Zinsspanne um 50 Basispunkte erhöhen und gleichzeitig das Kreditvolumen um 3 % reduzieren, damit sie in der Lage bleiben, die dann noch vorhandenen Kredite mit Eigenkapital zu unterlegen. So hat es die Deutsche Bundesbank ermittelt.

Je besser die Bonität, sprich die Ratingnote eines Kreditnehmers, um so eher ist die Bank zur Finanzierung bereit. Denn für diesen Kreditnehmer muss sie weniger Eigenkapital unterlegen, als für einen „schlechteren“. Halten wir deshalb fest: „Gute“ Kreditnehmer versetzen eine Bank in die Lage, die neuen Baselvorschriften leichter einzuhalten. Deshalb werden sich die Banken von „schlechten“ Kreditnehmern trennen. Bleibt die Frage: Was muss ein Autohaus tun, um zu den „guten“ zu gehören?

Damit sind wir beim Rating; denn ohne Rating kein Kredit. Rating ist das Instrument im Wettbewerb um Kredite. Am globalisierten Kapitalmarkt treten künftig mittelständische Autohäuser in den Wettbewerb mit internationalen Marktteilnehmern um eine begrenzte Menge an Kredit. Banken werden jedoch nur noch bei einer vertretbaren Ausfallwahrscheinlichkeit, die sie individuell definieren, zur Kreditpartnerschaft bereit sein.

Was braucht ein Autohaus um auch in Zukunft notwendige Kredite zu erhalten?

Es braucht eine individuelle Ratingstrategie! Rating“planung“ wird deshalb zu einem unverzichtbaren Instrument der Unternehmensführung. Eine kontinuierliche Finanzkommunikation ist die Brücke vom Autohaus zur Bank, über die alle notwendigen Informationen ausgetauscht und Daten zur Verfügung gestellt werden. So stellen Sie sicher, dass Vertrauen und Verlässlichkeit im Verhältnis von Autohaus zu Bank stabil bleiben. Dies gilt weniger für den Bereich der Fahrzeug-Einkaufsfinanzierung, die weiterhin vorzugsweise über die herstellereigenen Banken erfolgen wird, sondern vielmehr für die Finanzierungen über die Hausbanken im Bereich der ergänzenden Betriebsmittel- und Kontokorrent-Finanzierungen, ohne die die gesamte Finanzierungsarchitektur eines Autohauses ins Wanken gerät.

Wenden wir uns der Bank 2020 zu: Von Außen wird sie noch so aussehen, wie heute. Die inneren Abläufe werden sich spürbar verändern – insbesondere die im Kreditbereich. Eine Trendstudie des Fraunhofer Instituts spricht von der Industrialisierung der Banken. Die Entwicklung im IT-Bereich eröffnet dazu Möglichkeiten, die wir heute nur unzureichend abschätzen können.

Im Bereich des Zahlungsverkehrs ist der Grad der „Industrialisierung“ der Banken schon weit fortgeschritten, die Kreditbearbeitung – derzeit noch zu teuer – wird dem folgen. Die Banken werden die Kreditprozesse weitgehend automatisieren und auslagern. Auch wenn die örtlichen Sparkassen und VR Banken weiter bestehen bleiben, so werden die Kreditentscheidungen nicht mehr vor Ort getroffen. Die gesamte Kreditprozesskette wird automatisiert und ausgelagert werden. Abwicklungsfabriken beherrschen die Back-Office-Prozesse von der Antragstellung bis zur Abwicklung. Die Konsequenzen: Autohäuser müssen Informationen und Unterlagen in einer für die Bank verarbeitungsfähigen Qualität zur Verfügung stellen, um weiterhin als Geschäftspartner attraktiv zu sein.

Lassen Sie mich abschließend ein Beispiel aus der Welt des Sports wählen: Wer 2020 noch aktiv auf dem Spielfeld stehen will, muss bereits heute seine Trainingseinheiten darauf ausrichten.

Packen wir es an. Es bleibt spannend.


Banking 2020: Eckpunkte

» Aufsichtsrechtliche Vorschriften dominieren das Kreditgeschäft der Zukunft.

» Die Einhaltung dieser Vorschriften hat bei den Banken Priorität.

» Kreditnehmer, die die Einhaltung der Vorschriften gewährleisten, haben Vorrang.

» Der Wettbewerb um Kredit ist in Wahrheit ein Wettbewerb um eine gute Ratingnote.

» Die Kreditbearbeitungsprozesse deutscher Banken sind zu teuer und zu umständlich.

» Die Verbesserung von Leistungsprozessen steht bei den Banken ganz oben auf der Agenda.

» Weiter entwickelte Informations- und Kommunikationstechnologien bilden die wichtigste Grundlage für ein modernes Banking.

» Personen- und Firmendaten werden mit Bilanz-, Branchen - und Plandaten verknüpft und bilden die Basis für vorschriften- und wissensbasierte Kreditentscheidungen, die nicht mehr via Person getroffen werden.

» Im standardisierten Kreditgeschäft werden die Bearbeitungsprozesse automatisiert und nicht mehr durch menschliches Eingreifen „gestört“ und beeinflusst.

» Nur wer als Kreditnehmer auch automatisch verarbeitet werden kann, bekommt eine Chance, alles Andere ist zu aufwändig.

» Wenige große Abwicklungsfabriken beherrschen in Zukunft die Back-Office-Prozesse der Banken.

» Die meisten Autohäuser werden auf standardisierte (Kredit)Produkte angewiesen sein, nur wenige große Autohäuser können mit der Bank über Individuallösungen verhandeln.

» Eine individuelle Ratingstrategie, eine kontinuierliche Ratingplanung und eine institutionalisierte Finanzkommunikation sind die Problemlösungsinstrumente für Autohäuser.

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