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Aktuelles / Finanzmarkt

Autohaus-Finanzierung am Wendepunkt

Ein Beitrag von Martin Dieter Herke, der im Fachmagazin AUTOHAUS veröffentlicht wurde.

Basel II, Rating und neue Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute (MaK) haben die Finanzierungs-Szene – nicht nur für Autohäuser – grundlegend verändert. Verschärfte Vorschriften zwingen Banken sowohl bei der Risikomessung als auch bei der Konditionengestaltung sich an enge Vorgaben des Gesetzgebers zu halten.

Die Zusammenarbeit zwischen Banken und Kreditnehmern unterliegen neuen Spielregeln. Bestehende Beziehungsgeflechte verlieren an Bedeutung. In Zukunft zählen nur noch konkrete Unterlagen und Fakten. Rating lautet die Devise.

Deshalb ist für jedes Autohaus ein professionelles und zukunftsorientierte Finanzmanagement gefragt, um Bestehen zu können.

Um Ihr Autohaus zukunftssicher zu finanzieren, sollten Sie Ihre bisherige Verhaltensweise in Sachen Finanzmanagement auf den Prüfstand stellen. Es gilt die eigenen Handlungsweisen den neuen Erfordernissen anzupassen. Dies ist um so wichtiger, wenn Sie auf ein hohes Maß an Bankkrediten angewiesen sind, wie es bei Autohäusern üblich ist.

Nichts ist mehr wie es einmal war. Die deutschen Banken befinden sich in einer Umbruchsituation. Die großen Institute ziehen sich aus dem Kreditgeschäft mit mittleren und kleineren Unternehmen weitgehend zurück. Dies geschieht trotz gegenteiliger Beteuerungen, was sich anhand der Kreditbewilligungsstatistik belegen lässt. In der Sparkassen - Finanzgruppe als auch bei den Volksbanken/Raiffeisenbanken besteht die Absicht, durch Fusionen zu größeren Einheiten zu gelangen, um wettbewerbsfähig zu sein. Dies führt dazu, dass Kreditnehmer plötzlich neue und ihnen unbekannte Ansprechpartner haben, denen auch sie unbekannt sind und die formal entscheiden.

Angesichts dieses Umfelds gewinnen die reinen „Autobanken“ von Herstellern/ Importeuren für die Finanzierung von Kfz-Unternehmen ständig an Bedeutung und sind insbesondere im Bereich der Einkaufsfinanzierung eine feste Größe.

Allgemein beklagen Banken ihre schlechte Ertragslage und machen dafür neben unzureichenden Margen und zu hohen Kosten Kreditausfälle beim Mittelstand verantwortlich. Deshalb überprüfen sie im Zuge einer verschärften Risikopolitik ihre Kreditportfolios und richten Kreditzusagen an strengeren Maßstäben aus. Gleichzeitig trennen sie sich von Kreditnehmern die nicht (mehr) den veränderten Anforderungen genügen und/oder nicht in die Risikostruktur der Bank passen.

Grundsätzlich gilt: Die Hürden, die mittelständische Autohäuser zu überwinden haben um Kredite zu bekommen, wurden allenthalben höher gelegt. In diesem veränderten Umfeld gilt es für Inhaber und Geschäftsführer von Autohäusern ihre Unternehmen so zu positionieren, dass sie Bestehen können.

Die meisten Autohäuser benötigen 80 bis 90 % „fremdes“ Geld, um den hohen Kapitalbedarf für Investitionen und Umlaufvermögen zu decken. Die Abhängigkeit von Banken ist oftmals groß – sowohl von der Hausbank als auch von der Herstellerbank. Ein professionelles Finanzmanagement ist deshalb die Voraussetzung für eine stabile Finanzierung.

Nur wenn Autohäuser genügend Kapital zur Verfügung haben, können sie ihr Geschäft optimal betreiben. Eine sichere Finanzierung ist die Basis, um im rauhen Wettbewerb erfolgreich zu sein.

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Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme sind die Ursache dafür, dass die Geschäfte teilweise noch schlechter laufen, als ohnehin schon. Wenn das Geld fehlt, um notwendige Anschaffungen vorzunehmen, ein komplettes Angebot an Neu- und Gebrauchtwagen zu präsentieren und Kundenforderungen zu finanzieren, werden Aktivitäten gestartet, um Finanzlöcher zu stopfen, die eigentlich dem operativen Geschäft zugute kommen sollten. In dieser Situation kommt es zuerst darauf an, Banken und sonstige Geldgeber bei Laune zu halten, um den Betrieb über die Runden zu retten.

Eine intakte, das heißt eine ausgewogene und sichere Finanzierung bildet die Grundlage für ein aktives operatives Geschäft und ist notwendig, damit Sie Ihr Autohaus dem Wandel des Marktes entsprechend führen können.

Dass die Finanzierung eines Autohauses und damit das Finanzmanagement mittlerweile eine Aufgabe von höchstem Schwierigkeitsgrad geworden ist, hängt nicht nur von unverkennbaren Branchenschwächen ab, sondern in erster Linie von einer veränderten Kreditvergabepolitik der Banken, so wie sie bereits heute – und nicht erst ab 2007 – im Umfeld von Basel II allenthalben praktiziert wird.

Es reicht nicht mehr „nur“ den Bereich der klassischen Finanzierung zu beherrschen. Kreditarten und Zinssätze zu kennen. Das Aufgabengebiet „Finanzmanagement“ ist umfassender geworden. Es geht um eine finanz- und ratinggerechte Unternehmensführung.

Liquiditätssicherung muss nach wie vor Vorrang haben, denn nur sie gewährleistet die Zahlungsfähigkeit. Die Liquidität ist deshalb vorausschauend zu planen. Bonität, als Voraussetzung für jedwede Kreditgewährung, darf nicht zufallsabhängig sein. Eine gute Bonität ist nicht zuletzt auch eine Frage des Informationsaustauschs und geprägt von der Art der Zusammenarbeit mit Banken.

Finanzrisiken sind durch die Installation eines Risikomanagementsystems frühzeitig zu erfassen, um Schaden vom Unternehmen fernzuhalten. In diesem Zusammenhang sollten Sie prüfen, ob Sie für Ihr Autohaus nach KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich) zur Einrichtung eines Risikomanagementsystems verpflichtet sind. Außerdem: Unternehmensplanung wird in Zukunft großgeschrieben.

Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen ist es für alle Kraftfahrzeugunternehmen in Deutschland geradezu lebensnotwendig, sich über diese Entwicklungen zu informieren.

Es geht in erster Linie darum, die Betriebe auf die neue Situation einzustellen, zumal sie bei ihrer Finanzierung im Regelfall auf deutlich mehr als 80 % Fremdkapital zurückgreifen müssen. Obwohl Banken die Kraftfahrzeugbranche als Risikobranche einstufen, brauchen Autohäuser nicht zu Rating-Opfern zu werden, sondern können – bei entsprechender Handhabung – sogar von Rating profitieren.

Es gibt an der oftmals problematischen Finanzlage vieler Autohäuser nichts zu beschönigen. Basel II hat neue Spielregeln in der Zusammenarbeit zwischen Banken und Kreditnehmern aufgestellt. Wenn Sie und Ihr Autohaus jedoch die Spielregeln beherrschen, können Sie auch in diesem Spiel „gewinnen“ und brauchen sich keine Sorgen darüber zu machen, dass Ihr Unternehmen zu den Opfern von Basel II gehören wird.

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Rating bestimmt die Zukunft des Kreditgeschäfts

Mit Rating stellen die Banken jedes Unternehmen auf den Prüfstand. Sie ermitteln Stärken und Schwächen und wollen in erster Linie feststellen, ob ihr Kreditnehmer auch in Zukunft in der Lage sein wird, die eingegangenen Finanzverpflichtungen pünktlich und vollständig zu erfüllen. Deshalb erfordert Rating von den Kraftfahrzeugunternehmen eine neue Offenheit gegenüber Banken, um ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit zu dokumentieren. Denn auch ein Rating kann nur dann zutreffend und „gut“ ausfallen, wenn der Informationsfluss zwischen
Kreditnehmer und Bank funktioniert.

Da Ratingkriterien auf Erfolg und Zukunftsfähigkeit ausgerichtet sind, können Sie die Strategie des Rating als Instrument der Unternehmensführung nutzen und eröffnen dadurch Ihrem Autohaus die Chance, sich zu qualifizieren.

Anhand des Ratingergebnisses erkennen die Banken ob und in welchem Ausmaß ein Kreditnehmer für sie voraussichtlich zu einem Ausfallrisiko wird. Danach richten sich nicht nur die Kreditkonditionen, sondern auch die Bereitschaft der Bank, Kreditmittel zur Verfügung zu stellen oder sie zu verweigern.

Wenn die Höhe des Zinssatzes über Gewinn oder Verlust entscheidet

Eines steht heute schon fest: die Zinskonditionen zwischen „guten“ und „schlechten“ Kreditnehmern werden weit auseinander klaffen, so dass es sich für Sie rentiert, alles zu unternehmen, um zu einer guten Ratingnote zu gelangen. Experten rechnen mit einer so genannten Zinsspreizung von 5 bis 7 Prozent-Punkten. Nehmen wir ein Praxisbeispiel: Ein Autohaus mit rund 15 Mio. €

Umsatz, erzielt 0,5 % Umsatzrendite, also 75.000 €. Das gleiche Autohaus hat 5 Mio. € Bankkredite. Wenn der Zinssatz – als Folge eines ungünstiges Ratingergebnisses – um 2 Prozent-Punkte steigt, zahlt das Unternehmen 100.000 € mehr an Bankzinsen – und erwirtschaft einen Verlust von 25.000 €. Halten wir fest: Die Höhe des Fremdkapitalzinssatzes entscheidet in diesem Fall über Gewinn oder Verlust.

Informieren Sie sich, damit Sie Ihr Ratingergebnis verbessern können

Wenn Sie wissen wie Rating funktioniert, welche Informationen und Daten Banken benötigen und welche Veränderungen Sie in Ihrem Autohaus am besten einleiten, um zu einem günstigen Ratingergebnis zu kommen, haben Sie die richtigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmenszukunft geschaffen. Nutzen Sie dazu jede Gelegenheit damit Sie ihren Banken in Sachen Rating und Basel II wissensmäßig gleichberechtigt gegenübertreten können um sich in Zeiten verstärkter Anforderungen besser zu behaupten.

Es geht nicht nur darum, zu erkennen wie Rating funktioniert, sondern es geht vielmehr darum, die eigene Unternehmensführung unter der Prämisse „Rating“ so wahrzunehmen, dass sie zu besseren Ergebnissen führt. Dazu gehören neben einer offensiven Informationspolitik, eine Bilanzpolitik, die künftige Anforderungen berücksichtigt und die Hinwendung zu Finanzierungspartnern und Finanzprodukten, die derzeit noch nicht als Allgemeingut mittelständischer Autohäuser gelten.

„Die Banken“ werden sich nicht grundsätzlich vom Mittelstand abwenden, sie werden sich jedoch den mittelständischen Unternehmen zuwenden, die bereit sind, die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen und aktiv zu bewältigen. So verstanden, kann eine Unternehmensführung, die sich an Ratingprinzipien orientiert, zur Erfolgsstory für Ihr Autohaus werden.

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Die Konsequenzen: Verantwortliche für die Autohaus-Finanzierung haben sich mit den neuen Spielregeln des Finanzmanagements und der Kreditvergabepolitik der Banken vertraut zu machen, damit sie auch weiterhin die Finanzierung ihrer Unternehmen sicherstellen können.

Mit 80,3 % sind „Finanzierungsfehler“ die häufigste Insolvenzursache. Bauen Sie vor. Schenken Sie dem Finanzbereich die notwendige Aufmerksamkeit. Entwickeln Sie eine auf Ihr Unternehmen zugeschnittene Finanzstrategie. Lassen Sie es nicht soweit kommen, dass Sie mit Ihrer Finanzierung in die Defensive geraten.

„Gestalten“ Sie Ihre Finanzierung. Gehen Sie gegenüber Ihren Banken in die Offensive. Trotz der veränderten Situation. Es geht letztendlich aber auch darum, Ihr Autohaus möglichst kostengünstig zu finanzieren, das heißt, zinsgünstige Finanzierungsarten zu kennen und zu nutzen.

Denken Sie daran: Bankgespräche sind keine Plauderstunden, sondern dienen der gezielten Information der Bank über die wirtschaftliche Situation und die zukünftigen Aussichten Ihres Autohauses.

Ergreifen Sie die Initiative in Sachen Finanzierung. Warten Sie nicht, bis Sie von der Bank zum Gespräch „gebeten“ werden.


Rating ist die in Zahlen und/oder in einer Buchstabenkombination dargestellte Bewertung eines Unternehmens, die die Wahrscheinlichkeit ausdrückt, mit der das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen – in der Regel auf einen 1-Jahres-Zeitraum bezogen – pünktlich und vollständig nachkommen wird.

Für Unternehmen mit weniger 50 Mio. EUR Jahresumsatz brauchen die Banken nur 80 % der hier dargestellten Sätze an Eigenkapital zu unterlegen. Für wohnwirtschaftliche Realkredite sind sogar nur 3,2 % zu unterlegen und Kredite von unter 1 Mio. EUR können als Retailkredite behandelt werden und brauchen nur mit 6 % unterlegt zu werden.


Wenn Sie sich weiterhin über die aktuelle Zinssituation informieren möchten, klicken Sie einfach die Sie interessierenden Positionen an. Sie kommen auf Internetseiten, die Ihre Fragen beantworten.( siehe unter Links )

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