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Aktuelles / Finanzmarkt

Finanzierung 2008
Banken setzen restriktive Standards
Autohaus-Finanzierung 2008

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Wahrscheinlich werden die Banken in 2008 der Kraftfahrzeugbranche noch skeptischer gegenüberstehen als bisher. „Schuld“ sind die schlechten Unternehmensergebnisse des Jahres 2007. Mehrheitlich sind keine guten Bilanzen zu erwarten. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Banken bei der Kreditvergabe wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet haben.

Die Folgen der Finanzkrise kommen noch oben drauf und werden nicht spurlos an uns vorüber gehen. Die enormen Verluste aus so genannten strukturierten Finanzanlagen haben auch unsere deutschen Banken heftig getroffen. IKB und Sachsen LB sind lediglich die Spitze des Eisbergs. Zahlreiche weitere deutsche Banken haben sich aufs Glatteis begeben und sind kräftig ausgerutscht. Die Folgen: Sie sind übervorsichtig geworden, das geht soweit, dass sie sich gegenseitig kaum noch Kredit zur Verfügung stellen.

Allein diese Entwicklung hat mit Sicherheit auch Auswirkungen auf das Kreditgeschäft mit Autohäusern. Derzeit ist zu beobachten, dass die Branchenbeurteilung von den Banken wieder stärker in den Vordergrund geschoben wird. Da hat die Kfz-Branche schlechte Karten, denn wir werden noch immer und immer wieder als Risikobranche eingestuft. Die Vorbehalte der Banken gegenüber Autohäusern: Weltweite Überproduktion an Autos, die in den Markt zu bringen sind. Händlernetzbereinigungen, Margenkürzungen, harter Konkurrenzdruck, heftiger Preiswettbewerb, Kaufzurückhaltung der Kundschaft, schlechte Rentabilität. Dem kann man nur wenig entgegen setzen, es sei denn gute eigene Ergebnisse.

Der Pkw-Handel hat im ersten Halbjahr 2007 mit 270 betroffenen Betrieben rund 6,3 Prozent mehr Insolvenzen angemeldet als von Januar bis Juni 2006. Es ist zu befürchten, dass aufgrund der schlechten Verkaufszahlen des laufenden Jahres mit tendenziell mehr Insolvenzen im zweiten Halbjahr und auch für das kommende Jahr zu rechnen ist. Schätzungen sprechen von rund 1.000 Insolvenzen im gesamten Jahr 2007. Keine guten Aussichten für die Bonitätsbeurteilung durch die Banken.

Alle positiven Wirtschaftsnachrichten, die zu lesen sind, betreffen leider nicht den Automobilhandel. Da tobt der Preiskampf um die Zielerreichung von Stückzahlen, mit der Folge, dass, trotz allem, weniger Autos zu noch geringeren Bruttoerträgen vermarktet werden. Dementsprechend schlecht sehen die erzielten Betriebsergebnisse aus. Es gibt nur wenige positiven Ausnahmen.

Steigende Kreditnachfrage

Betrachtet man die allgemeine Entwicklung am Kreditmarkt, kommt man sogar zu dem Ergebnis, dass wieder mehr Kredite von den Banken zur Verfügung gestellt werden. Steigende Kreditnachfrage trifft auf größere Kreditbereitschaft. Beleuchtet man jedoch die Details, sieht die Sache schon anders aus. Einzelne Kreditsuchende stoßen dabei auf äußerst zurückhaltende Banken, insbesondere dann, wenn es sich bei dem Unternehmen um eines mit einer schwächeren Bonität handelt, was bei Automobilhandelsunternehmen leider üblich ist.

Die Auslese ist gnadenlos und erfolgt anhand der Ratingeinstufung. Von schwächeren Bonitäten fordern die Banken derzeit nicht nur höhere Zinsen sondern auch zusätzliche Sicherheiten und intensivere Informationen.

Als Kreditnehmer sollten Sie sich darauf einstellen, dass die Kreditstandards und die Risikomargen weiter steigen werden. Von Entwarnung am Kreditmarkt kann keine Rede sein.

Auswirkungen der Zinsentwicklung

Der Umsatzrückgang im Neuwagenbereich und die geringeren Bruttoerträge einerseits werden in ihrer negativen Wirkung derzeit von steigenden Zinsen noch verstärkt.

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Ein Markenhändler mit rund 15 Mio. EUR Umsatz (330 Neuwagen und 390 Gebrauchtwagen) hat kurzfristige Kredite von 4,1 Mio. EUR in Anspruch genommen. Bei einer Umsatzrendite von 0,7 % werden 105.000 EUR Gewinn erwirtschaftet. Seit Mitte 2005 sind die kurzfristigen Zinsen um 2,6 Prozentpunkte angestiegen (3-Monats-Euribor von 2,1% auf 4,7%). Bezogen auf 4,1 Mio. EUR kurzfristige Kredite (KK und Einkaufsfinanzierung) hat der Händler in diesem Jahr 106.000 EUR mehr Zinsaufwand als in 2005. Das heißt, der Zinsmehraufwand hat den Gewinn in voller Höhe aufgefressen. Vom Umsatzminus und niedrigeren Bruttoerträgen ganz zu schweigen. Mi finanzwirtschaftlichen Maßnahmen allein ist das Problem nicht zu lösen, zumal angesichts der Inflationsentwicklung mit weiteren Zinssteigerungen zu rechnen ist.

Handeln Sie sofort

Selbstverständlich sollten Sie so schnell wie möglich auch finanzwirtschaftliche Maßnahmen ergreifen. Sprechen Sie mit Ihrer Bank über günstige Zinssätze. Gerade dann, wenn Sie Rentabilitätsprobleme haben. Legen Sie Wert auf einen Referenzzinssatz (Euribor) als Basis für Ihre Kontokorrentkondition. Wenn die Bank eine Marge von 2Prozentpunkten aufschlägt, liegt dieser Zins bei knapp 7 % p.a. und nicht, wie bei vielen Autohäusern üblich, bei über 10 % p.a.

Wenn es um längerfristige Finanzmittel geht sollten Sie Mezzanine Finanzprodukte einbeziehen, zumal es dabei in erster Linie um die Verbesserung der (wirtschaftlichen) Eigenkapitalquote geht. Beachten Sie, dass alle Banken der Eigenkapitalquote eine hohe Bedeutung beimessen.

Bei Mezzanine-Kapital handelt es sich um so genannte hybride (gemischte) Finanzierungsinstrumente, die zwischen dem reinen Eigenkapital und dem reinen Fremdkapital angesiedelt sind. Sie sind flexibel in ihrer Ausgestaltung und können an die individuellen Bedürfnisse Ihres Unternehmens angepasst werden.

Namentlich werden meist folgende Arten der Finanzierung in den Begriff "Mezzanine" einbezogen:

1. Nachrangige Darlehen
2. Partiarische Darlehen
3. Typisch stille Beteiligung
4. Atypisch stille Beteiligung
5. Genussrechtskapital
6. Wandel- und Optionsanleihen

Sprechen Sie Ihr Bank darauf an, Sie können mit geeigneten Mezzanineprodukten die Finanzstruktur Ihres Autohauses stabilisieren und verbessern.

Was ist sonst noch zu tun? Verschließen Sie keinesfalls die Augen vor einer eingetretenen negativen Entwicklung. Falls auch Ihr Betrieb von der Krise erfasst ist, sollten Sie sich diese so früh wie möglich selbst eingestehen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Drumherum reden löst keine Probleme und sich damit trösten, dass es anderen noch schlechter geht, auch nicht. Also, packen Sie an. Gehen Sie auf Ihre Bank zu, reden Sie Klartext. Bieten Sie Ihrer Bank eine exakte Analyse des IST-Zustands an, lassen Sie ein Konzept für die Zukunft erstellen, am besten von einem externen Berater, denn dem glaubt Ihre Bank jetzt mehr als Ihnen. Falls es zutreffend ist, nennen Sie Ihr Konzept ruhig beim Namen, bezeichnen Sie es als Sanierungskonzept. Das kommt bei den Banken besser an, als den Zustand schön zu reden.

Stellen Sie Ihrer Bank alle Unterlagen, die sie zur Beurteilung braucht zur Verfügung. Halten Sie nichts zurück. Pflegen Sie eine offene Kommunikation, nur wenn Sie die Bank offen informieren, können Sie mit Entgegenkommen rechnen. Die Banken erwarten, neben der Bilanz, eine Rentabilitätsvorschaurechnung, einen Liquiditätsplan mit Monatswerten und eine Planbilanz. Ohne diese Unterlagen haben Sie kaum eine Chance.

Wenn Sie für 2008 Finanzierungsbedarf haben, sollten Sie diesen so schnell wie möglich bei Ihrer Bank anmelden, warten Sie nicht, bis alle anderen auch kommen, dann wird es u. U. noch schwieriger Kredit zu bekommen.

Verbesserungsmaßnahmen

Fahrzeugbestände auf das notwendige Minimum reduzieren
(spart Zinsen und schont die KK-Linien, da im Regelfall Gebrauchtfahrzeuge nicht zu 100 % finanziert werden.

Außenstände (Kundenforderungen) durch ein straffes und konsequentes Debitorenmanagement möglichst gering halten (vermeidet Forderungsausfälle, spart Zinsen und verbessert die Liquidität)

Strenges Kostenmanagement (Jeder Euro, den Sie weniger an Kosten haben, verbessert die Rentabilität.

Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter.
Schöpfen Sie das vorhandene Marktpotential aus.

Behalten Sie bei allen Maßnahmen Augenmaß.


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