Unternehmensberatung Home Mail Impressum Kontakt
Sanierungsberatung Rating-Beratung Seminare Autorentätigkeit Aktuelles
  Finanzinformationen
  Zinsenentwicklung
  Finanzmarkt
  Banken-Reporting
  Finanzkommunikation
  Ratingauswirkungen
  Ratingeinstufungen
  Bonitätsmanagement
  Kaptaldienstfähigkeit
  Ratinggespräche
  Wissenswertes

Aktuelles / Finanzmarkt

Finanzmarkt- und Bankenkrise
Auswirkungen auf Autohaus-Finanzierungen
(veröffentlicht im Fachmagazin AUTOHAUS)

Das komplette Dokument im .PDF-Format »

Realistische Beobachter haben seit Monaten befürchtet, dass uns die Finanzmarktkrise schlimmer treffen würde, als es uns die meisten Kommentatoren glauben machen wollten. Jetzt ist es sogar so schlimm, dass die Banken ihre Probleme nicht mehr allein lösen können. Der Staat muss her und retten, was noch zu retten ist. Am Montag, dem 13. Oktober hat Kanzlerin Merkel verkündet, dass Deutschland eine „Finanzmarktverfassung“ erhalten und ein „Finanzmarktfonds“ ins Leben gerufen wird. Gleichzeitig hat die Bundesregierung ein Rettungspaket von insgesamt 500 Mrd. EUR verabschiedet, um das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder herzustellen. So weit, so gut. Erfreulich ist, dass gehandelt wurde, und zwar klar und deutlich und nicht halbherzig.

Trotzdem: Die Probleme sind damit noch lange nicht vom Tisch. Diese Finanzmarkt- und Bankenkrise wird tiefe Spuren hinterlassen und auch deutliche Auswirkungen auf die so genannte „Realwirtschaft“ haben. Erste Produktionsstopps bei der Automobilherstellung sind die Folgen und große Konzerne legen Sparprogramme auf.

Machen wir uns nichts vor: Alle bestehenden Wachstumsprognosen sind ab sofort Makulatur! Darauf haben wir uns einzustellen. Das gilt für jeden, der am aktiven Wirtschaftsleben teilnímmt, also auch für jeden einzelnen Kfz-Händler. Nichts wird mehr so sein wie es gerade war.

Das, was auf die deutschen Banken jetzt an staatlicher Regulierung zukommt, haben sie sich selbst zuzuschreiben. Leider sind die Banken, bei denen Vater Staat bereits in der Vergangenheit quasi die Kontrolle hatte, also bei den Landesbanken und der KfW, besonders von den Folgen ihrer risikoreichen Geschäfte betroffen. Da hat die Kontrolle bewiesenermaßen nicht funktioniert. Was wir in Zukunft brauchen, sind wieder Banker, die solide und seriöse Geschäfte tätigen. Die ihre Aufgabe nicht darin sehen möglichst schnell viel Geld für ihre Bank (und sich selbst) zu verdienen, ohne auf die damit verbundenen Risiken zu achten.

Banker sollten sich grundsätzlich wieder daran erinnern, dass ihnen im Wesentlichen Kundengeld anvertraut wird, das sie nicht veruntreuen dürfen. Die Kunden vertrauen der Bank, wenn sie dort Geld anlegen, dieses Vertrauen muss jeder Banker in Zukunft wieder durch seriöse Geschäftspraktiken rechtfertigen. Es wird für die Bankenbranche nicht leicht sein, das verlorene Vertrauen wieder zurück zu gewinnen. Spielernaturen sind nicht mehr gefragt. Weder bei Banken noch in der Automobilwirtschaft.

Das, was von den Bankern angerichtet wurde, war ja kein Unfall, sondern das war das gängige Geschäftsmodell! Das war Vorsatz und nicht Versehen.

Auch bei den Banken wird nichts mehr so bleiben, wie es jahrelang war. Die Bankenlandschaft wird in 2 bis 3 Jahren anders aussehen als heute. Die ach so beliebten und risikoreichen Geschäfte mit hoch komplizierten Produkten werden untersagt werden. Es wird (noch) mehr Wert auf eine angemessene Eigenkapitalunterlegung gelegt werden, was die Fähigkeit einiger Banken Kredite zu gewähren vermindern wird. Die Geschäfte mit eigenen Zweckgesellschaften, so genannten Schattenbanken, wird man wohl verbieten. Der Verkauf von Darlehensforderungen zur Risikodiversifizierung wird wohl drastisch eingeschränkt werden. Wobei es gleichwohl aberwitzig war anzunehmen, dass man damit wirklich Risiko beseitigen könne. Man hat es lediglich verlagert, aber in einer derartig verflochtenen Weltwirtschaft kommt es, wie man jetzt sieht, wieder zurück und trifft hart. Bilanzierungsregeln sollen angepasst, also verändert, werden. Dies darf aber nicht dazu führen, dass es weiterhin möglich ist, so weiter zu machen wie bisher, da man es künftig bilanziell besser „verarbeiten“ kann.

Dies alles wird auch Auswirkungen auf die Kreditbereitschaft der Banken haben. Die Preise für Kredite werden steigen. Wir sollten uns auf höhere Zinsen einstellen. Nicht weil die Zentralbanken die Zinsen drastisch erhöhen werden, sondern weil die Banken höhere Margen verlangen werden, um die jetzt erlittenen Verluste wieder auszugleichen. Der Verhandlungsspielraum von Kreditnehmern tendiert in einer solchen Situation gegen Null. Was Sie tun können, ist durch Abbau von Beständen und Forderungen Ihren Kapitalbedarf zu reduzieren, um Zinsen zu sparen – und wenn sich eine Investition nicht rechnet, sollten Sie sie auch nicht tätigen.

Dies alles trifft die Kfz-Branche zu einem Zeitpunkt, wo die Schwierigkeiten aus anderen Gründen ohnehin immens sind. Rund Dreiviertel aller Markenhändler hat im ersten Halbjahr 2008 „rote“ Zahlen geschrieben. Ohne dass dies durch gravierende Auswirkungen der Finanzmarktkrise beeinflusst war. Momentan kommt es Knüppeldick: Angeschlagene Banken, stark getrübte Konjunkturaussichten, weltweiter Absatzrückgang bei Neufahrzeugen, heftige Preissteigerungen für Benzin/Diesel, Energie und Lebensmittel und die politische Unsicherheit in punkto künftiger Umwelt- und Steuerauflagen für bestimmte Fahrzeugtypen. Alles keine positiven Aussichten, aber auch kein Grund zum Verzweifeln.

Das wichtigste Gut für ein Autohaus ist in einer solchen Situation die Liquidität. Fehlt es an Geld, wird die Lage schnell kritisch. Will heißen, dass es jetzt ganz besonders darauf ankommt die Banken an der Seite zu haben, denn auf deren Mitwirken sind die meisten Betriebe angewiesen. Dass gerade dies jetzt besonders schwer ist, braucht nicht mehr betont zu werden, ist aber unabdingbar.

Viele Autohäuser befinden sich bereits in einer Krise. Je früher man sich eine Krise eingesteht, umso früher kann man auch dagegen angehen und umso besser stehen die Chancen, die Krise zu bewältigen. Die meisten Unternehmen, die scheitern, scheitern daran, dass sie nur sehr spät und dann auch noch zögerlich einschneidende Maßnahmen ergreifen. Ein zusätzlicher Fehler: Die Maßnahmen sind unzureichend, da man glaubt auch so durchzukommen.

Hier können kompetente und erfahrene Spezialisten von außen oft besser helfen als der Unternehmer, der zusätzlich das Tagesgeschäft bewältigen muss. Für qualifizierte Berater handelt es sich um Aufgaben, die sie schon oft erfolgreich gelöst haben. Sie wissen sich gegenüber Banken in schwierigen Verhandlungen richtig zu verhalten und sind in der Lage notwendige Veränderungen in Abläufen und Verhaltensweisen zu erkennen, zu benennen und im Unternehmen gemeinsam mit den Verantwortlichen konsequent umzusetzen.

Die Herausforderung der Branche besteht jetzt darin, unmittelbar die notwendige Finanzvorsorge zu treffen, um die noch zu erwartenden Turbulenzen einigermaßen unbeschadet zu überstehen. In erster Linie geht es darum, sich gegenüber den Banken so zu verhalten, dass diese nicht das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Autohauses als Kreditnehmer verlieren. Dabei kommt es besonders auf das richtige Informationsverhalten und eine bankengerechte Darstellung anhand aussagefähiger Unterlagen an. Dies ist jedoch nur im Zusammenhang mit einschneidenden Maßnahmen überzeugend. Nur dann entsteht Verständnis und Vertrauen.

Neben den richtigen Maßnahmen, die konsequent umzusetzen sind, geht es um die sachgerechte Aufbereitung von Daten und Zahlen und deren Kommunikation gegenüber der Bank. Dies sind die entscheidenden Punkte, um trotz allem ein positives Bankverhalten zu erreichen.

Sie können alle diese Schwierigkeiten überwinden! Nehmen Sie die Probleme an. Verschließen Sie nicht die Augen. Natürlich bedarf es erheblicher Anstrengungen. Aber diejenigen, die jetzt sofort und energisch handeln, werden zu den Siegern gehören. Und noch eines: es wird auch in Zukunft noch Banken geben, die Autohäuser finanzieren.

Fragen und Antworten

Besteht die Gefahr, dass der deutsche Bankenmarkt zusammenbricht?
Nach dem heutigen Wissenstand besteht diese Gefahr nicht. Die Bundesregierung und auch die EU haben beschlossen, Banken, die für das System wichtig und ansonsten solvent sind, zu stützen. Das 500 Mrd. EUR Programm der Bundesregierung ist der richtige Weg.

Wie werden sich Banken bei Kreditanträgen verhalten, kommt es zu einer Kreditklemme?
Sie werden höchstwahrscheinlich noch kritischer prüfen und mit Zusagen noch Zurückhaltender sein. Stellen Sie nur einen sorgfältig und gut vorbereiteten Antrag, den Sie mit stichhaltigen Argumenten versehen sollten. Suchen Sie das persönliche Gespräch. Zu einer Kreditklemme, so dass keine Kredite mehr zur Verfügung gestellt werden, wird es voraussichtlich nicht kommen.

Werden Kredite teurer werden?
Es ist davon auszugehen, dass Kredite in Zukunft teurer werden. Die Banken werden höhere Risikozuschläge fordern. Als Kreditnehmer sollten Sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Bonität Ihres Autohauses zu verbessern, damit Ihre Ratingnote nicht schlechter wird.

Was passiert, wenn meine Bank Pleite geht?
Wenn Sie dort Guthaben unterhalten (Spareinlagen, KK-Guthaben, Festgeld) dann tritt der Einlagensicherungsfonds der jeweiligen Bank ein und garantiert Ihre Einlagen. Bei Banken, die Mitglied im Bundesverband deutscher Banken sind, haftet der Sicherungsfonds bis 30 % des Eigenkapitals der jeweiligen Bank für Ihre Einlagen. Im Sparkassen-Sektor haften die Institute unbegrenzt, genau so wie im Genossenschaftssektor (VR-Banken und Raiffeisenbanken). Dazu kommt noch die Garantieerklärung der Bundesregierung, dass die Bundesrepublik Deutschland alle Einlagen bei Banken von Privatpersonen garantiert.

Als Kreditnehmer können Sie davon ausgehen, dass im Pleitefall Ihre Kreditverträge weiter geführt werden. Haben Sie also ein Darlehen mit festem Zinssatz, gilt dieser Zinssatz für die Festschreibungszeit. Ist der Zinssatz variabel, kann er verändert werden. KK-Kredite können gekündigt werden und der Zinssatz kann auch sofort angehoben werden. Grundsätzlich gelten Kreditverträge im Insolvenzfall der Bank so weiter, wie sie bestehen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Sie ihre Verpflichtungen weiterhin erfüllen.

nach oben
Finanzierung 2008 » 
 
Haftungsausschluss