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Finanzmarkt

Finanzmanagement im Autohaus

- Credit Relations / Bankbeziehungen Basel-II-orientiert gestalten

Ein Beitrag von Martin Dieter Herke erschienen im Fachmagazin AUTOHAUS Mai 2004

Die Anforderungen an das Finanzmanagement von Autohäusern ist von den gravierenden Veränderungen der jüngsten Vergangenheit geprägt. Basel II und die MaK (Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft), sowie eine strenge Auslegung des Kreditwesengesetzes erfordern für alle mittelständische Kreditnehmer eine Neudefinition ihrer Credit Relations, der Bankbeziehungen. Die Kreditvergabepraxis der Banken hat sich verändert. Die Zusammenarbeit mit Banken ist durch erhöhte Informationsanforderungen geprägt, Konditionen orientieren sich am Risiko, sprich an der Ratingnote.

Halten wir fest: Die Zusammenarbeit zwischen Banken und Kreditnehmern unterliegen neuen Spielregeln. Bestehende Beziehungsgeflechte haben an Bedeutung verloren. Mehr denn je zählen nur noch konkrete Unterlagen und Fakten. Heutzutage ist ein professionelles und zukunftsorientiertes Finanzmanagement gefragt.

Verschärfte Vorschriften zwingen Banken sowohl bei der Risikomessung als auch bei der Konditionengestaltung sich an enge Vorgaben des Gesetzgebers zu halten. Um Ihr Autohaus zukunftssicher zu finanzieren, sollten Sie Ihre bisherige Verhaltensweise in Sachen Finanzmanagement auf den Prüfstand stellen. Es gilt die eigenen Handlungsweisen den neuen Erfordernissen anzupassen. Dies ist um so wichtiger, wenn Sie auf ein hohes Maß an Bankkrediten angewiesen sind, wie es bei Autohäusern üblich ist.

Die deutschen Banken befinden sich in einer Umbruchsituation. Die großen Institute haben sich aus dem Kreditgeschäft mit mittleren und kleineren Unternehmen weitgehend zurückgezogen. In der Sparkassen-Finanzgruppe als auch bei den Volksbanken / Raiffeisenbanken besteht die Absicht, durch Fusionen zu größeren Einheiten zu gelangen, um wettbewerbsfähig zu sein. Dies führt dazu, dass Kreditnehmer plötzlich neue und ihnen unbekannte Ansprechpartner haben, denen auch sie unbekannt sind und die formal entscheiden.

Hinzu kommt, dass der IWF (Internationaler Währungsfonds) der Bundesrepublik Deutschland vorgeschlagen hat das Bankensystem zu reformieren. Die öffentlichen Banken (Sparkassen) sollen privatisiert werden, das Regionalprinzip soll abgeschafft werden und die Banken sollen frei untereinander fusionieren können, also auch Sparkassen mit Volksbanken.
Angesichts dieses Umfelds gewinnen die „Autobanken“ von Herstellern/Importeuren und auch die freien Autobanken (bspw. CC-Bank) für die Finanzierung von Kfz-Unternehmen an Bedeutung und sind insbesondere im Bereich der Einkaufsfinanzierung eine feste Größe.

Suchen/unterhalten Sie Kontoverbindung und gute Kontakte zu allen Bankengruppen, zur Hausbank, zu Spezialbanken, zur Herstellerbank und zu freien Autobanken. Schaffen Sie sich eine breite Basis.

Allgemein beklagen Banken ihre schlechte Ertragslage und machen dafür neben unzureichenden Margen und zu hohen Kosten Kreditausfälle beim Mittelstand verantwortlich. Deshalb überprüfen sie im Zuge einer verschärften Risikopolitik ihre Kreditportfolios und richten Kreditzusagen an strengeren Maßstäben aus. Gleichzeitig trennen sie sich von Kreditnehmern die nicht (mehr) den veränderten Anforderungen genügen und/oder nicht in die Risikostruktur der Bank passen.

Um Kosten zu sparen, überlegen die Banken so genannte Transaktionsinstitute (Kredit-fabriken) zu gründen, um die Kreditbearbeitung rationeller und kostengünstiger zu gestalten. Falls es dazu kommt, wird der gesamte Kreditvergabeprozess standardisiert. Es kommt in der Folge zu standardisierten Entscheidungen und auch zu standardisierten Konditionen. Die Konsequenzen für das Finanzmanagement von Autohäusern: Die Verantwortlichen müssen sich über die Standards informieren, ihre Unternehmen auf die Standards vorbereiten, so dass sie erfüllt werden, um sicher zu stellen, dass die Betriebe auch weiterhin die notwendigen Bankfinanzierungen erhalten. Übrigens, ist dies auch eine Empfehlung der „Initiative Finanzstandort Deutschland“ (IFD).

Grundsätzlich gilt: Die Hürden, die mittelständische Autohäuser zu überwinden haben um Kredite zu bekommen, wurden deutlich höher gelegt. Es reicht also nicht mehr „nur“ den Bereich der klassischen Finanzierung zu beherrschen. Kreditarten und Zinssätze zu kennen.

Das Aufgabengebiet „Finanzmanagement“ ist umfassender. Liquiditätssicherung muss Vorrang haben, denn nur sie gewährleistet die Zahlungsfähigkeit. Die Liquidität ist des-halb vorausschauend zu planen. Bonität, als Voraussetzung für jedwede Kreditgewährung, darf nicht zufallsabhängig sein. Eine gute Bonität ist nicht zuletzt auch eine Frage des Informationsaustauschs und geprägt von der Art der Zusammenarbeit mit Banken. Finanzrisiken sind durch die Installation eines Risikomanagementsystems frühzeitig zu erfassen, um Schaden vom Unternehmen fernzuhalten. Unternehmensplanung wird in Zukunft großgeschrieben.

Betrachten Sie die Bank nicht als Gegner, machen Sie sie zum Partner. Basel II und zusätzliche Vorschriften erschweren es nicht nur Kreditnehmern neue Kredite zu erhalten, sondern fordern auch von den Banken ein differenziertes Vorgehen.

Stellen Sie mit der richtigen Strategie die Weichen für ein erfolgreiches Finanzmanagement – eines Finanzmanagements, das die finanzielle Zukunft Ihres Autohauses sichert.

Denken Sie daran: Bankgespräche sind keine Plauderstunden, sondern dienen der gezielten Information der Bank über die wirtschaftliche Situation und die zukünftigen Aus-sichten Ihres Autohauses. Ergreifen Sie die Initiative in Sachen Finanzierung. Warten Sie nicht, bis Sie von der Bank zum Gespräch „gebeten“ werden.

Bieten Sie Ihrer(n) Bank(en) regelmäßige – am besten vierteljährliche –Informationen über die wirtschaftliche Entwicklung Ihres Autohauses an, also ein Reporting (Berichtswesen). Legen Sie die Entwicklung von Vermögenswerten, Verbindlichkeiten und Kapital dar und zeigen Sie auf, wie sich die Umsatz- und Ertragssituation jeweils aktuell darstellt. Lehnen Sie Ihr Reporting inhaltlich an das Bilanzschema (Aktiva, Passiva, Gewinn- und Verlustrechnung) an. Wenn Sie der Bank zu Beginn des Geschäftsjahres eine Rentabilitätsvorschaurechnung und einen Liquiditätsplan zur Verfügung stellen, haben Sie Ihr Reporting optimal eingerichtet. Organisieren Sie Ihr Reporting so, dass Sie die Zahlen aus Ihrer Finanzbuchhaltung bzw. Ihrer kurzfristigen Erfolgsrechnung etc. „automatisch“ erhalten.

Empfehlungen für die strategische Ausrichtung des Finanzmanagements:

Dokumentieren Sie jeweils zeitnah die wirtschaftliche Entwicklung Ihres Autohauses und kommunizieren Sie dies gegenüber der Bank.
Erstellen Sie nicht nur Planungskonzepte, Vorschaurechnungen, Finanzpläne und Planbilanzen, sondern besprechen Sie diese auch mit der Bank.
Führen Sie regelmäßig Bankgespräche. Nicht nur über Kredite und Konditionen, sondern auch über die Bonitätslage Ihres Autohauses.
Legen Sie besonderen Wert auf die Sicherung der Liquidität. Erstellen Sie einen Liquiditätsplan mit Monatswerten, dem zu entnehmen ist, ob die zur Verfügung stehenden Finanzmittel ausreichend sind.
Machen Sie deutlich, dass Sie in Ihrem Autohaus ein Risikomanagementsystem eingerichtet haben, so dass Sie auftretende Risken möglichst früh erkennen können.
Richten Sie gegenüber der Bank ein regelmäßiges Reporting (Berichtswesen) ein.
Stellen Sie der Bank Informationen von sich aus zur Verfügung und ergreifen Sie selbst die Initiative zu Bankgesprächen.

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