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Aktuelles / Finanzmarkt

Professionelles Finanzmanagement
im Mittelstand

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Die Bankbeziehungen / Credit Relations, haben sich verändert. Dies hat massive Auswirkungen auf das Finanzmanagement für mittelständische Unternehmen und ihre Berater. Die Zusammenarbeit zwischen Banken und Kreditnehmern unterliegen seit dem ersten Entwurf von Basel II (1999) und den Ende 2002 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) verkündeten Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MAK) neuen Spielregeln. Die Auswirkungen sind spürbar.

Eine Umfrage des DIHK bei über 20.000 Firmen in diesem Frühjahr belegt, dass die Klagen der Unternehmen über eine zu restriktive Haltung der Banken bei der Kreditgewährung und der Gestaltung der Konditionen nicht abreißen. Die Untersuchung steht unter der Überschrift „Kreditkonditionen unter dem Diktat der Bonität“. Man könnte den Titel durchaus erweitern und schreiben „Kreditgewährung und Kreditkonditionen unter dem Diktat der Bonität“. 19 % der Befragten sind sogar der Meinung, dass sich die Situation in 2005 nochmals verschlechtert hat.

Angesichts dieser Ausgangsposition müssen wir uns ernsthafte Gedanken über die Erfordernisse an ein erfolgsorientiertes Finanzmanagement auch beim Mittelstand machen, zumal dann, wenn die Branche seitens der Banken als Risikobranche eingestuft ist. Das Finanzmanagement braucht eine neue Qualität.

Bestehende Beziehungsgeflechte haben durch Basel II und die MAK an Bedeutung verloren. Es zählen nur noch konkrete Unterlagen und Fakten, deshalb ist ein professionelles und zukunftsorientiertes Finanzmanagement in Mittelstandsunternehmen nicht nur wünschenswert, sondern dringend notwendig.

Die Aufgabenstellung des Finanzleiters ist neu zu definieren. Der Buchhalter ist passè, in der Position eines Finanzleiters sind unternehmerische Qualitäten gefragt. Heutzutage darf der Finanzleiter eines mittelständischen Unternehmens seine Aufgabe nicht allein darin sehen, alle Geschäftsvorfälle der Vergangenheit penibel zu erfassen und Bilanz zu ziehen, ein aktiver Finanzleiter muss vorausdenken, die Finanzierung des Unternehmens „gestalten“, um die Liquidität zu sichern und einen reibungslosen Geschäftsablauf zu ermöglichen. Nur wenn genügend Geld zur Verfügung steht, floriert das Geschäft.

Worum geht es? Es geht um ein professionelles Finanzmanagement. Dazu gehören folgende Bausteine:

Liquiditätsmanagement
(Planung, Sicherung und Steuerung der Liquidität)

Bonitätsmanagement
(Vorbereitung auf Rating, Verbesserung der Bilanzstruktur)

Risikomanagement
(Installation eines Frühwarnsystems)

Informationsmanagement
(Einführung eines Berichtswesens/Reportings)

Planungsmanagement
(Unternehmensplanung, Finanzplan etc.)

Basel II, Rating und konkrete Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute haben die Szene grundlegend verändert. Verschärfte Vorschriften zwingen Banken sowohl bei der Risikomessung als auch bei der Konditionengestaltung sich an enge Vorgaben des Gesetzgebers zu halten. Um ein Unternehmen zukunftssicher zu finanzieren, sind die bisherigen Verhaltensweisen in Sachen Finanzmanagement auf den Prüfstand stellen. Es gilt die eigenen Handlungsweisen den neuen Erfordernissen anzupassen. Dies ist um so wichtiger, wenn ein Betrieb auf ein hohes Maß an Bankkrediten angewiesen ist.

Nichts ist mehr wie es einmal war. Die deutschen Banken haben sich verändert. Die großen Institute sind bereits aus dem Kreditgeschäft mit mittleren und kleineren Unternehmen weitgehend ausgeschieden und „bereinigen“ ihre Bilanzen indem sie Kredite verkaufen. Siehe HVB und Dresdner Bank, die beide gerade wieder eine größere Transaktion abgeschlossen haben. Die HVB hat 5,5 Mrd. EUR und Dresdner hat 1,4 Mrd. EUR so genannter Problemkredite – im wesentlichen handelt es sich dabei um Kredite, die nicht mehr in das (Wunsch-) Portfolio der Bank passen – an Finanzinvestoren verkauft.

Dass die zweitgrößte deutsche Bank, die HVB, von einer italienischen Bank übernommen wird, spricht Bände.

Dass sich deutsche Institute weitgehend verweigern, wenn es um neue Kredite geht, geschieht trotz gegenteiliger Beteuerungen, was sich auch anhand der Kreditstatistik belegen lässt. Das Märchen, dass einfach keine Nachfrage nach Krediten vorhanden sei und die Banken deshalb so wenig neue Kredite zusagen, glauben nur wirklich Naive. Mit dieser Argumentation wird die Schwelle zur Unverschämtheit überschritten. Die Realität sieht anders aus. Die Banken haben bereits das Kind zusammen mit dem Bade ausgeschüttet. Übervorsichtige und verängstigte Banker lehnen lieber einen Kreditantrag ab, als ein (vertretbares) Risiko einzugehen. Zugunsten der Banken muss man feststellen: Die Vorschriften, die Banken zu erfüllen haben, sind zu umfassend und deshalb ist die Bereitschaft, einem seriösen Unternehmer Kredit einzuräumen, auch wenn er sich gerade in einer schwierigen Situation befindet, vielfach abhanden gekommen.

In der Sparkassen-Finanzgruppe als auch bei den Volksbanken/ Raiffeisenbanken besteht die Absicht, durch Fusionen zu größeren Einheiten zu gelangen, um wettbewerbsfähig zu sein. Dies führt dazu, dass Kreditnehmer plötzlich neue und ihnen unbekannte Ansprechpartner haben, denen auch sie unbekannt sind und die formal entscheiden. Unternehmen brauchen Bankverbindungen die der Branche der sie angehören positiv gegenüberstehen. Die Konzentration auf nur auf eine Bankverbindung ist ein gravierender Finanzierungsfehler.

Grundsätzlich gilt: Die Hürden, die mittelständische Unternehmen zu überwinden haben, um Kredite zu bekommen, wurden allenthalben höher gelegt. Es reicht nicht mehr „nur“ den Bereich der klassischen Finanzierung zu beherrschen. Kreditarten und Zinssätze zu kennen. Das Aufgabengebiet „Finanzmanagement“ ist umfassender. Liquiditätssicherung muss Vorrang haben, denn nur sie gewährleistet die Zahlungsfähigkeit. Die Liquidität ist vorausschauend zu planen. Bonität, als Voraussetzung für jedwede Kreditgewährung, darf nicht zufallsabhängig sein. Eine gute Bonität ist nicht zuletzt auch eine Frage des Informationsaustauschs und geprägt von der Art der Zusammenarbeit mit Banken. Finanzrisiken sind durch die Installation eines Risikomanagementsystems frühzeitig zu erfassen, um Schaden vom Unternehmen fernzuhalten. Unternehmensplanung wird von den Banken großgeschrieben.

Betrachten Sie, trotz allem, die Bank nicht als Gegner, machen Sie sie zum Partner.

Basel II, die MAK und das KWG – auch wenn jetzt die Einsichtnahmegrenze auf 750.000 EUR angehoben wurde – sowie zusätzliche Vorschriften erschweren es nicht nur Kreditnehmern neue Kredite zu erhalten, sondern fordern auch von den Banken ein differenziertes Vorgehen.

Im Zeitalter von Rating kommt es besonders auf folgende Positionen an:

Eigenkapitalquote
Gesamtkapitalrentabilität
Kapitaldienstfähigkeitsgrad
Planung / Steuerung / Information
Kontoführung

Managementqualität


Es liegt an den Kreditnehmern selbst, sich um diese Bereiche zu kümmern, um die Voraussetzungen für eine Kreditfinanzierung zu schaffen. Nichts kommt von selbst!

Es gilt zu beachten: Bankgespräche sind keine Plauderstunden, sondern dienen der gezielten Information der Bank über die wirtschaftliche Situation und die zukünftigen Aussichten des Unternehmens. Unternehmen sollten selbst die Initiative in Sachen Finanzierung ergreifen und sicht so lange warten, bis sie von der Bank zum Gespräch „gebeten“ werden.

Die meisten Mittelständler benötigen 80 bis 90 % „fremdes“ Geld, um den hohen Kapitalbedarf für Investitionen und Umlaufvermögen zu decken. Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme sind die Ursache dafür, dass die Geschäfte teilweise noch schlechter laufen, als ohnehin schon. Wenn das Geld fehlt, um notwendige Anschaffungen vorzunehmen, ein komplettes Angebot zu präsentieren und Kundenforderungen zu finanzieren, werden Aktivitäten gestartet, um Finanzlöcher zu stopfen, die eigentlich dem operativen Geschäft zugute kommen sollten. In dieser Situation kommt zuerst darauf an, Banken und sonstige Geldgeber bei Laune zu halten, um den Betrieb über die Runden zu retten.

Dass die Finanzierung eines jeden mittelständischen Unternehmens und damit das Finanzmanagement mittlerweile eine Aufgabe von höchstem Schwierigkeitsgrad geworden ist, hängt nicht nur von oftmals unverkennbaren Branchenschwächen ab, sondern in erster Linie von einer veränderten Kreditvergabepolitik der Banken, so wie sie bereits heute im Umfeld von Basel II allenthalben praktiziert wird.

Mit Rating stellen die Banken jeden Kreditnehmer auf den Prüfstand. Sie ermitteln Stärken und Schwächen und wollen in erster Linie feststellen, ob er auch in Zukunft in der Lage sein wird, die eingegangenen Finanzverpflichtungen pünktlich und vollständig zu erfüllen. Deshalb erfordert das Kreditgeschäft von den Unternehmen eine neue Offenheit gegenüber Banken, um ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit zu dokumentieren. Im Rahmen eines zukunftsorientierten Finanzmanagements kommt dem Management der Bonität erhöhte Bedeutung zu.

Mit 80,3 % sind „Finanzierungsfehler“ die häufigste Insolvenzursache. Es kommt also darauf an, dem Finanzbereich die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken und eine auf das eigene Unternehmen zugeschnittene Finanzstrategie zu entwickeln. Es geht letztendlich darum, die Weichen so zu stellen, dass die Finanzierung des Unternehmens auch in einem schwierigen Umfeld sicher bleibt.

Eltville im Juli 2005
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